23. Juli 2019 | 2 Min.

Mensa 2.0: Die Mensamorphose


Ein Bericht aus der Zukunft: Gemeinschaftsverpflegung im Einklang mit der Natur an der Uni Bavaria

Permakultur und Fermentation, Zero Waste und Shinrin Yoku – bei diesen Begriffen wähnt sich der zunächst leicht verwirrte Besucher in einem progressiven Ökodorf oder Zukunftsforschungszentrum, doch ganz sicher nicht in einer süddeutschen Mensa.

Es sind aber gerade diese Prinzipien aus der Biophilie und dem Shinrin Yoku (auch bekannt als Waldbaden), die in der Mensamorphose an der Uni Bavaria zum Leben erweckt werden – sie werden hier konkret erlebbar und tragen dazu bei, am eigenen Essen die Natur zu erfahren und zu verstehen.

Die Raumaufteilung ist nach Prinzipien der Permakultur in fünf Ringen gestaltet mit der Küche in der Mitte und dem ausdrücklichen Wunsch, der Wildnis auch hier einen Raum zu geben, also: das Draußen nach drinnen zu holen. Während die zentrale Küche als ‘zivilisiertestes’ Element fungiert, nimmt der Wildnischarakter je Ring gen äußere Ränder zu – bis man ganz außen in die reine Ruhezone eintauchen kann. Auch die zirkulären Prinzipien der Natur werden durch die konzentrische Gestaltung verdeutlicht.

Eine geschäftige Unimensa als natürlicher Besinnungs- und Entspannungsort wie nach dem Shinrin-Yoku-Prinzip – kann das funktionieren?

Es kann, meint Gundula Mayer, die den Ort mit ihrem Team entworfen hat: „Schon kleine Dosen Natur und Grün beruhigen ungemein. Es soll hier keinen ‘Zwang zum Zen’ geben. Es ist ein Spielplatz, der einlädt, die Natur zu erleben, zum Beispiel mit unserem Geo-Dom-Gewächshaus oder den kleinen hängenden Gärten. Wenn wir die Dinge um uns spielerisch und fasziniert beobachten, können wir die Wichtigkeit von Ressourcen noch eindringlicher verstehen.“

Auch das eigene Wirken in diesem Kreislauf soll anhand der zukunftsweisenden Mensa beleuchtet werden. “Das hier ist kein musealer Ort,” so Mensabetreiberin Sabine Seiler, „Wir möchten die Natur als lebenden Organismus erlebbar machen und die Geschichte von der Wurzel bis zum Teller erzählen.“ Beim Teller hört die Geschichte natürlich nicht auf: verdeutlicht wird das, indem mensaeigener Kompost als Produkt angeboten wird oder aus Kaffeesatz Tassen gepresst werden. Im Food Waste Lab werden zudem überschüssige Lebensmittel weiterverarbeitet – gelebtes Zero Waste.

Zusätzlich erläutert und begreifbar gemacht werden die Prozesse der Natur durch die Technik. Mit digitalen Tools soll darüber informiert werden, was nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist: im Livestream werden Prozesse wie Fermentation und Gärung gezeigt und per App kann der eigene Verbrauch anhand von CO2-Fußabdruck, enthaltenen Nährstoffen etc. nachvollzogen werden, um mit der Zeit eine intuitivere gesunde Ernährung zu bewirken.

Gesunde Ernährung ist mühsam und teuer? Diese Ausrede können wir zukünftig nicht mehr gelten lassen – in der Mensamorphose ist sie mit Leichtigkeit zu genießen und im Monatsabo zu haben.


Charlotte Wiedemann, freie Journalistin
www.mensamorphose-bavaria.de


Das Projekt Mensa 2.0: Die Zukunft der Hochschulkantine skizziert vier potentielle Zukunftsszenarien und zeigt Interventionsfelder für Innovationen auf. Die vier Szenarien einer Zukunftsmensa wurden in Form von Zukunftsmahlzeiten und Postern visualisiert und erfahrbar gemacht, sowie in fiktiven Zeitungsartikeln und Fact Sheets beschrieben. Der hier veröffentlichte Bericht ist der erste von vier Zeitungsartikeln aus der Zukunft.