4. Juli 2019 | 2 Min.

Mensa 2.0: Die Food Lab Mensa

Ein Bericht aus der Zukunft:
Experimentelle Gemeinschaftsverpflegung an der Uni Bavaria
Es ist doch seltsam, dass auch an den fortschrittlichsten Universitäten die Mensen oft wie Fremdkörper wirken: inmitten einer modernen, forschenden Umwelt sind sie in der Zeit stehengeblieben, inhaltlich abgekoppelt, uninspiriert.

Das soll sich nun ändern: Das Team hinter der neuen Food Lab Mensa an der Uni Bavaria hat sich auf die Fahnen geschrieben, das akademische Leben und Arbeiten direkt mit der ansässigen Kantine zu verknüpfen. So sollen nicht nur neue Erkenntnisse aus der hiesigen Food-Lehre in der Praxis getestet, sondern auch die Studierenden mit der Arbeitswelt in Kontakt gebracht werden.

"Wir hoffen, dass Studenten und Externe hier ihre neuen Produkte präsentieren und mit der Zeit ein echter Food Startup Incubator geschaffen werden kann."
Wie genau das geht? „Bei uns sind die Dozenten gleichzeitig auch Mensamitarbeiter, die sogar hin und wieder in der Mensa unterrichten,“ so Betreiberin Susanne Funke, „Wir behandeln die Mensa wie jeden anderen Unterrichtsraum auf dem Campus: Sie hat einen konkreten Lehrauftrag, nämlich ein neues Bewusstsein zu schaffen für Lebensmittel und Ernährung.“

Mit dem neuen Studienfach ‚Experimentelle Gemeinschaftsverpflegung‘ findet sich dieses Herangehen auch im Lehrplan wieder.

‚Experimentell‘, das kann schon auch mal Algenoder Insektenwochen bedeuten. Mehrere Teams kochen parallel an vollständig beweglichen Küchenelementen und Studenten testen ihre eigenen Kreationen gleich hier in der Unimensa – mehr freier Ausdruck im Kochen geht nicht. Wer weniger experimentierfreudig veranlagt ist, kann auch erst mal Geschmacksproben zu seinem klassischeren Menü dazubekommen.

Und ganz nebenbei lernen die Besucher der Mensa noch etwas über die Verarbeitung und Zubereitung ihrer Lebensmittel, ob innovativ oder traditionell. Stichwort: eigene Produktion und gläsernes Handwerk, das sich täglich mit Produkten einbringt – so ergeben sich maximal kurze Lieferwege.

Doch nicht nur die Forschung profitiert von der Food Lab Mensa; der Co-Working Space bietet auch besten Nährboden für neue Talente, die hier vom Fleck weg engagiert werden können, am besten von den Unternehmen, die als Partner und Sponsoren in Projekte eingebunden sind.

„Wir hoffen, dass Studenten und Externe hier ihre neuen Produkte präsentieren und mit der Zeit ein echter Food Startup Incubator geschaffen werden kann,“ so der Universitätsdekan. „Wenn die Studenten von Konzernen lernen und die wiederum von neuen Ideen inspiriert werden, dann ist das ein echter Win-Win für alle Beteiligten.“ So würden sich direkt aus der Mensa-Forschung neue Business Cases ergeben, allerdings aus einem unabhängigen Spielfeld heraus. Bei diesem unternehmerischen Ansatz ist der Fokus mehr auf der Verarbeitung der Lebensmittel, zum Beispiel auf In-vitro-Fleisch oder 3D-Druck – und während auch das altbewährte Handwerk nicht zu kurz kommt, sind wir gespannt, was es hier bald zu den allerneusten Methoden zu berichten geben wird.


Charlotte Wiedemann, freie Journalistin
www.foodlab-bavaria.de

Das Projekt Mensa 2.0: Die Zukunft der Hochschulkantine skizziert vier potentielle Zukunftsszenarien und zeigt Interventionsfelder für Innovationen auf. Die vier Szenarien einer Zukunftsmensa wurden in Form von Zukunftsmahlzeiten und Postern visualisiert und erfahrbar gemacht, sowie in fiktiven Zeitungsartikeln und Fact Sheets beschrieben. Der hier veröffentlichte Bericht ist der erste von vier Zeitungsartikeln aus der Zukunft.