13. Nov 2019 | 2 Min. 

EGG TO GO


Wie könnte eine Stadt aussehen, in der sich Mensch und Nutz­tier den Lebensraum gleichberechtigt teilen? Und wie würde sich unser Konsumverhalten gegenüber tierischen Produkten verändern, wenn die Produktion direkt vor unserer Haustür stattfinden würde?

Photo: Patrizia Gapp/Kollektiv FischkaPhoto: Patrizia Gapp/Kollektiv Fischka

Food Kompanion Asja hat in Zusammenarbeit mit der Designerin Ottonie von Roeder auf der Vienna Design Week ihr neues gemeinsames Projekt vorgestellt: EGG TO GO. Es ist ein spekulatives Design Projekt, das sich mit Themen der Lebensmittelproduktion sowie deren Auswirkung auf unsere Umwelt kritisch auseinandersetzt.

EGG TO GO ist ein von Hühnern betriebenes Geschäft, die einen Einblick in die fiktive Stadt ‘Beestenbuurt’ erlaubt, in der Tiere und Menschen gleichberechtigt nebeneinander co-existieren. Hühner produzieren nicht nur Eier, sondern auch genug Mist, der in Biogas übersetzt werden kann. Ihren Körper betrachten die Tiere als eine Energiequelle, die es ihnen ermöglicht aus der klassischen Bauer-Nutztier-Beziehung auszubrechen und selbständig und unabhängig zu agieren. Mit der gewonnenen Energie und natürlichen Ressourcen wie zum Beispiel Solarenergie wird ein automatisiertes System betrieben, welches den Hühnern erlaubt ihr Geschäft ohne Unterstützung vom Menschen zu führen. Das Geschäftsmodell wird durch smarte Technologien möglich gemacht, die nicht nur die Produktionsprozesse automatisieren, sondern auch die Kommunikation zwischen Mensch und Tier ermöglichen.

Aus dem Hof-Setting befreit, gehen Hühner in die Städte zurück, um den Platz, der hauptsächlich für Menschen gedacht ist, für sich wieder einzunehmen. Als Produzenten, die ihr Produkt direkt vermarkten, begegnen sie den Konsumenten auf Augenhöhe und definieren ihre Rolle in der Gesellschaft neu.

Auf der Vienna Design Week konnten die Besucher sich jeden morgen ein hartgekochtes Frühstücksei bei den geschäftstüchtigen Hühnern kaufen, wobei sich das Konzept nicht nur auf dieses eine Eiergericht beschränkt. Regionale und saisonale Eierspezialitäten soll es bei EGG TO GO auch geben: gefärbte Eier zu Ostern oder Kaiserschmarren als ein typisch österreichisches Eiergericht. Die Hühner haben sich nach ein paar aufregenden Tagen gut im Karls Garten eingelebt und ihn in einen Foto-Hotspot für Touristen und Wiener verwandelt. Nach dem Ablauf der Vienna Design Week haben sie sich entschieden weiterhin in der Stadt zu bleiben.

Dieses spekulative Projekt hinterfragt unsere Konsumkultur in Bezug auf tierische Produkte: was für Auswirkungen hat die Auslagerung der Produktionsprozesse auf unmittelbare Lebensräume? Es untersucht die Lebensmittelversorgungskette und spekuliert darüber, wie sich unser Konsumverhalten ändern würde, wenn der Konsument mit dem eigentlichen Produzenten der Lebensmittel bzw. den Produktionsprozessen direkt konfrontiert wäre. Ein weiterer Punkt, mit dem sich das Projekt auseinandersetzt, ist die Automatisierung in der Tierhaltung: wie kann man Systeme aus der Massentierhaltung nicht für die Effizienzsteigerung nutzen, sondern eher als einen Mediator zwischen Mensch und Tier? Die gesundheitlichen Parameter werden nicht nur archiviert, sondern auch in Sprache übersetzt.

Das Projekt wurde mit Unterstützung von der Vienna Design Week, der Wirtschaftsagentur Wien, der Wanderhuhn GmbH und dem Restaurant HEUER am Karlsplatz umgesetzt.